Wie bereits im letzten Jahr ging auch die erste größere Tour diesen Jahres wieder in die Provence nach Saint Martin d'Ardèche, diesmal mit Sozia Vera.

Bei der Abfahrt aus dem Sauerland herrschte noch schönes, trockenes Wetter, aber bereits am Treffpunkt in Duisburg-Kaiserberg zog sich der Himmel zu und kurz nach der Abfahrt fing es an zu regnen. Aber hier half wieder mal die Anbetung des Regengottes, indem einige der Tourteilnehmer ihre Ganzkörperkondome überstreiften (Gore-Tex sei Dank blieb meiner Sozia und mir diese Individualsauna mal wieder erspart). Auf jeden Fall hat es geholfen (diesmal) und nach kurzer Zeit hörte der Regen wieder auf. Den ersten Tankstopp in Wasserbillig, Luxemburg erreichten wir (Tourguide Ralf und Sozia Monika auf Honda NTV, Doris auf Yamaha XJ 600 S Diversion, Hans-Georg auf Yamaha FJ 1200, Frank auf Honda CBR 1100 XX, Bernd auf Honda VFR, Heinz auf Suzuki TL 1000, Uwe auf BMW K1 sowie meine Sozia und ich auf Triumph Trophy 900) trocken. In Wasserbillig stießen noch die beiden "Luxemburger" (nein, sie arbeiten nur da) Willi auf Honda Revere und Fritz auf der BMW R 100 R zu uns und kurz darauf trudelte auch noch Lothar mit seiner Yamaha Vmax ein. Auf Lothar hatte ich all meine Hoffnungen auf viele Tankstopps gesetzt (wegen Lungenschmacht), aber zu meinem Entsetzen hatte der inzwischen an die Vmax einen Zusatztank anbauen lassen und aus war es mit den 150 km-Etappen. Trocken ging es anschließend weiter nach Beaune in Burgund, wo in unserem Ibis-Hotel Arcade für die Zwischenübernachtung bereits Walter aus München auf uns wartete. Unser Kurvenspezialist hatte sich seit unserem letzten Treffen eine Triumph Sprint ST zugelegt. Abends traf dann noch Ulli mit der BMW K75 ein und damit war die Truppe komplett.

Am nächsten Tag ging es dann weiter zu unserem Zielort St. Martin. Diesmal half die Anbetung des Regengottes gar nichts. Es schüttete teilweise wie aus Kübeln und so war auch keiner besonders ärgerlich darüber, dass der "Endspurt" hauptsächlich über die Autobahn ging. Auf Land- und Nationalstraßen konnte man sowieso nicht viel von der Gegend sehen. Leider fing an diesem Tag auch meine Trophy an zu mucken - nach einem Stopp an einer Mautstelle sprang sie nicht wieder an und musste von Willi und Fritz angeschoben werden. Bei unserer Ankunft in St. Martin war es dann erst mal wieder trocken.

Den ersten Tag an der Ardeche nutzt man natürlich damit, die Schlucht zu durchfahren und sich die Sehenswürdigkeiten der Schlucht anzusehen. Peinlich ist nur, wenn man morgens und nach jedem Stopp (falls nicht gerade eine Strecke bergab zur Verfügung steht) angeschoben werden muss. Die Startprobleme wurden immer schlimmer und konnten eigentlich nur mit der Batterie zusammenhängen.

Erster Stopp an der Ardeche-SchluchtVera und MonikaGruppenbild am Pont d´ArcPont d´ArcHeinz und Vera

Na ja, es war trocken und die Straße war griffig. Ardeche rauf und runter war angesagt. Auf der Rückfahrt durch die Schlucht zum Hotel konnte man das Moped richtig laufen lassen, was meiner Sozia - wie sich bei Ankunft im Hotel herausstellte - nicht besonders gefallen hat (dabei hat die Trophy nur einmal kurz mit dem Hauptständer aufgesetzt - ehrlich). Die Tagesetappe hatte Heinz wohl etwas unterschätzt.

Heinz und Lothar Auf der Rückfahrt zum Hotel blieb er einige Kilometer vor St. Martin Ardeche-Schlucht mit leerem Tank liegen und musste aus Walters ST notbetankt werden.

Bernd will anscheinend gerade dafür sorgen, dass mein Hinterrad mehr Schlupf durch weniger Gewicht bekommt.

Zum Abendessen ging es dann wieder mal an die Brücke zum Bellevue, das im Gegensatz zum Escarbille etwas rustikalere Speisen in reichlichen Mengen zu gemäßigten Preisen anbietet - und auch der Rose-Hauswein ist lecker. Aber das Essen in unserem Hotel Escarbille ist auch nicht zu verachten, wie wir an zwei Abenden feststellen konnten. Zwar etwas teurer als im Bellevue, dafür aber auch feiner und äußerst delikat. Zu empfehlen ist besonders der gemischte Nachspeisenteller - ein Gedicht.

Wettertechnisch begann der nächste Tag bescheiden. Lothar fiel heute aus. Bei der Regenfahrt nach St. Martin hatte er sich anscheinend ordentlich einen gefangen und musste sich auskurieren. Wir entschlossen uns wegen des Wetters zu einem kurzen Abstecher in die Grotte bei Orgnac L'Aven. Warten auf die Grottenführung Bei schlechtem Wetter ist diese erst 1935 entdeckte und bis zu 115 Meter tiefe Grotte ein lohnendes Ausflugsziel. Mittags waren wir wieder zurück im Hotel und da das Motorradmuseum an dem Tag zu und es inzwischen auch wieder aufgeklart war, machten wir uns nachmittags auf zur Pont du Gard, Vera vor dem Pont du Gard wo umfangreiche Renovierungsarbeiten im Gange waren. Die Zufahrt rechtsseitig vom Gard war noch in Arbeit Blick von der z.Zt. gesperrten Seite auf das Aquädukt mit einer mir unbekannten Person und so mussten wir uns quer durch Remoulins auf die linke Seite quälen, wo die Arbeiten bereits weitgehend abgeschlossen sind und für die Touris neue Parkplätze und Versorgungsbuden errichtet worden waren. Apropos Parkplätze: Hier muss lobend erwähnt werden, dass in Frankreich die meisten für Dosenfahrer kostenpflichtigen Parkplätze für Biker kostenlos zu nutzen sind - der am Pont du Gard auch. Ralf, Vera, Lothar und Heinz auf dem Pont du Gard Parkplatz An dem Tag wurde das römische Aquädukt von einer polnischen Filmcrew als Szenarium für Dreharbeiten für eine Neuauflage für "Quo Vadis?" genutzt. Mal abwarten, wie der Streifen wird. Die Rückfahrt zum Hotel wurde in Pont-St. Esprit zum einen dafür genutzt, um für Lothar Medikamente und für die Trophy eine neue Batterie zu besorgen. Glücklicherweise hatte Ralfs Schrauber das benötigte Modell auf Lager und damit waren zumindest die Startprobleme beseitigt. Wie sich einige Tage später aber herausstellen sollte, war die ständige Anschieberei nicht ohne Folgen geblieben.

In der Nacht zum Mittwoch hatte es gewaltig gewittert und der Mittwoch begann sehr trübe. Die für diesen Tag geplante Kanufahrt auf der Ardeche wurde daher kurzfristig abgesagt und nach einem kurzen Wettercheck entschlossen wir uns zu einem Ausflug nach Avignon. In Avignon parkten wir die Mopeds bei schönstem Wetter direkt an der berühmten Pont d'Avignon Die Brücke von Avignon und machten auf Kultur: Besichtigung des Papstpalais.

Palast der PäpsteNicht gerade begeisterte Gesichter bei Ralf, Monika, Ulli und Vera: Kultur ist angesagtNochmal die Pont d´Avignon mit Hans-Georg und Ulli. Nein, das Bild ist wirklich nicht gestellt.

Anschließend war noch genug Zeit für einen Trip in die Camargue, wo wir bei herrlichem Sonnenschein an einer Strandbar in Stes. Maries-de-la-Mer Kaffeepause machten.Kaffeepause am Strand der Camargue Willi und Fritz nutzten die Pause für ein kurzes Bad im Mittelmeer.

Am nächsten Tag war auch für die Ardeche-Schlucht Sommer angesagt und die am Vortag ausgefallene Kanutour wurde nachgeholt. Nachdem uns der Kanuverleiher am Hotel abgeholt hatte, wurden wir bis kurz vor Vallon Pont D'Arc transportiert und dort mit unseren Kanus abgeladen.

Abladen der Kanus und Vorbereitung auf die Tour

Vor uns lag eine Kanutour über 32km auf einer durch die vorangegangenen Regenfälle ziemlich braunen und vollen Ardeche. Für uns Laienkanuten hatte der höhere Wasserstand aber den Vorteil, dass die schlimmsten Stromschnellen entschärft waren.

Kurze Rast vor dem Pont d´ArcPaddeln ist anstrengend: Essen fassenBlick durch die Ardeche-Schlucht

So kenterte denn auch von unserer Gruppe nur das Kanu von Frank und Hans-Georg. Klaus und Hans-Georg nach ihrem unfreiwilligen Bad. Heinz im Hintergrund betet offensichtlich noch und Ulli ist fassungslos. Viel Erleichterung beim Paddeln brachte der hohe Wasserstand allerdings nicht, da durch einen teilweise fiesen Gegenwind die Kanus trotz der Strömung stoppten und sogar zurückgedrückt wurden, sobald man aufhörte zu paddeln. Am späten Nachmittag wurden wir dann vom Kanuverleih bei Sauze kurz vor St. Martin wieder aufgegabelt Anlegestelle bei Sauze und nach einem Abschiedsschluck zurück ins Hotel gebracht, wo wir im Hotelpool die braune Ardechebrühe abspülen konnten.

Abspülen der Brühe am Pool des Escarbille

Der nächste Tag begann für Uwe mit einer bösen Überraschung. Bei der Abfahrt zum Mont Ventoux hatte die K1 einen platten Hinterreifen. Grund war ein Nagel, der sich durch die Decke gebohrt hatte. Während er sich mit Ralf und Monika auf nach Pont-St. Esprit zur Reparatur machte, fuhren wir die geplante Tour. Die Führung machte Bernd, der zuvor mit Ralf die Strecke abgesprochen hatte. Bereits kurz nach Abfahrt machte sich der extrem starke und böige Wind unangenehm bemerkbar. Direkt auf den Mont Ventoux (übersetzt in etwa Berg der Winde) zu fahren war heute viel zu gefährlich. Die Trophy brauchte bereits im Tal stellenweise die gesamte Fahrbahn. Also fuhren wir halt um den Berg drumrum. Einige Kilometer später waren Verluste zu beklagen: Walter hatte den Anschluss verloren. Ihn und Lumpensammler Frank trafen wir erst mittags in Nyons wieder, wo wir für unser tägliches Picknick einkauften.

PicknickDie im Schatten geparkten Maschinen am Picknickplatz

Nachmittags stießen dann Ralf mit Sozia Monika und Uwe mit repariertem Hinterreifen auf der K1 kurz hinter Sault wieder zu uns.

Durch den Gorges de la Nesque Blick aus dem Gorges de la Nesque auf den Mont Ventoux fuhren wie schließlich zurück nach St. Martin, wo die gesamte Truppe abends im Escarbille unter den Platanen das hervorragende Abschiedsessen genoss.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Rückweg. Heute vorerst wieder nach Beaune zur Zwischenübernachtung. Es war sehr heiß und jetzt traten die bereits angesprochenen Probleme mit der Trophy auf: sie hatte Zündaussetzer und ruckelte. Dass ich wegen Leistungsverlust beim Anfahren an einer Kreuzung lieber einen ankommenden Wagen vorbeiließ, vor dem ich unter normalen Umständen locker weggezogen wäre, wäre Frank beinahe zum Verhängnis geworden. Mein Zögern bemerkte er zu spät und nach der Notbremsung konnte er nur mit Hilfe von Bernd verhindern, dass die Double-X umkippt.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Walter, der von Beaune direkt nach München heimfuhr sowie von Hans-Georg und Doris, die noch einen Abstecher in den Schwarzwald machen wollten. Kurz nach der Grenze von Luxemburg trennten sich dann Willi und Fritz von uns. In Wasserbillig machte der Rest einen letzten Tankstopp. Ab hier trennten sich unsere Wege wieder. Bei der Rückfahrt von Beaune nach Hause wurden die Probleme mit dem Moped noch stärker: extremer Leistungsverlust, Aussetzer, Fehlzündungen. Ab Luxemburg pöttete die Maschine nur noch vor sich hin. Über 140 km/h waren kaum noch drin. Zum Glück war die Maschine bereits für den nächsten Tag zur Inspektion angemeldet. Dabei wurde dann festgestellt, dass die Zündspule, die Zündkabel und eine Kerze defekt waren. Am Dienstag war wieder alles in Ordnung (sogar die bestellten Reifen waren noch rechtzeitig gekommen). Der nächsten Tour ab Donnerstag in die Bretagne stand nichts mehr im Wege.

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