Vorwort: Am 04.06. waren wir von der Tour de France, unserer großen Frankreichtour, zurückgekommen. Für den Donnerstag darauf hatte ich die Trophy zur 70.000er Inspektion angemeldet. Am Mittwoch fuhr ich also am späten Nachmittag zur Werkstatt. Im Gepäck die bitter nötigen neuen Reifen und in der Annahme, dass die Inspektion am Donnerstag erledigt wird und ich die Maschine spätestens am Freitag wieder abholen kann. Denkste! Als der nette Herr an der Reparaturannahme anfing, mit mir die erforderlichen Arbeiten abzuhaken, machte ich mir schon einmal Gedanken über einen Kleinkredit und die Abholung am Freitag konnte ich mir auch abschmieren. Tatsächlich war die Trophy erst am Donnerstag darauf fertig und am Samstag hatte ich dann endlich Zeit, sie aus der Werkstatt abzuholen.

Bei der Rückfahrt in die heimatliche Garage kamen mir dann doch erhebliche Zweifel, ob die gewonnenen Metzeler Z4 wirklich mit der Trophy harmonieren. Die Kiste war ziemlich schwerfällig und wollte mit Nachdruck in jede Kurve gelenkt werden. Von der Leichtigkeit eines Bridgestone BT54 oder gar eines BT57, der für mich von den bisher auf der Trophy gefahrenen Reifen der mit Abstand beste Reifen ist, war nichts mehr zu spüren. Hätte ich die Dinger doch lieber auf der Frankreichtour in der Bretagne und Normandie abgerubbelt und jetzt neue BT020 draufgezogen. Aber da musste ich jetzt durch. Ein neuer Satz Reifen war bei dem gezahlten Inspektionspreis nicht mehr drin. Große Lust zum Fahren hatte ich unter diesen Umständen erst einmal nicht und so stellte ich die Trophy nach der kurzen Testfahrt in der Garage ab und holte sie erst zur Abfahrt nach Achenkirch wieder raus.

Freitag, 21.06.: Um halb zehn verabschiede ich mich von Vera und fahr mit dem Wagen zur Garage in Hüsten. Nach dem aufrödeln geht es als erstes zur Tanke. Volltanken und Luftdruck prüfen. Und da wird mir auch klar, warum sich die Trophy bei der Rückfahrt von der Werkstatt so behäbig gab: Vorne fehlen 0,3 und hinten sogar 0,5 bar! Die 25 km bis zur Autobahn zeigen dann eine ganz andere Trophy. Das alte Fahrverhalten mit den Bridgestone wird zwar nicht ganz erreicht, aber der jetzt korrekt eingestellte Luftdruck macht sich positiv bemerkbar.

Danach die öde Autobahnetappe bis Würzburg. Für eine Kaffeepause hatte ich mich über das Motorrad-Online-Forum (MOF) bei Det in Sommerhausen eingeladen. In Würzburg/Randersacker ab von der A3 und kurz vor der ersten Halbzeit D - USA laufe ich auf dem Gelände von Detlevs Rebschul-Betrieb ein. Bei einem leckeren Cappuccino schauen wir zusammen die erste Halbzeit von dem Weltmeisterschaftsviertelfinale und plaudern dabei ein wenig über Mopeds im allgemeinen, das MOF und die (zumindest für mich meist) virtuellen MOF-Bekannten. Nach der ersten Halbzeit mache ich mich wieder auf den Weg. Eigentlich will ich zurück auf die Autobahn, aber auf Empfehlung von Det wähle ich jetzt bis Ingolstadt Bundes- und Landstraße. Ich spare dadurch einige Kilometer öde Autobahnbolzerei und komme in den Genuss des schönen Altmühltals. Nach knapp 200 km fahre ich in Ingolstadt wieder auf die A9 und bis nach München, wo mich der übliche Freitagsnachmittagsstau und passenderweise auch noch ein kleines Gewitter erwartet, geht es zügig vorwärts. Ab Holzkirchen ist die Landstraße wieder frei und je weiter ich mich meinem Ziel Achenkirch nähere, umso mehr klart der Himmel auf. Gegen 19:30 Uhr und nach 724 km erreiche ich schließlich den Fischerwirt in Achenkirch, wo bereits Michi und Jupp warten, die bereits seit Mittwoch in Tirol sind.

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Samstag, 22.06.: Gestern Abend habe ich von Jupp erfahren, dass das diesmal keine seiner üblichen Alpentouren wird. Heute wird nur noch Klaus erwartet und das war es dann mit den Tourteilnehmern. Michi wird am Sonntagabend zurück nach Düsseldorf fliegen (eine(r) muss sich ja um die Fahrschule kümmern und sehen, dass das Geld ran kommt *bg*) und somit verbleibt als Resttrupp nur Jupp, Klaus und ich. Zu dritt können wir einige Touren fahren, die mit der sonst üblichen Teilnehmerzahl zeitlich einfach nicht zu machen sind.

Die Wartezeit bis zum Eintreffen von Klaus überbrücken wir mit einer kleinen Ausfahrt. In Achenkirch ab in Richtung Steinberg am Rofan und dann soll es weiter über die Schotterstrecke bis Brandenberg gehen. Michi hat diese Strecke aber in keiner guter Erinnerung (vor einigen Jahren hat sie ihre BMW da mal abgelegt) und streikt, bevor die extremen Teile der Strecke kommen. Die vollverkleidete Trophy ist für so einen Untergrund auch nicht konzipiert und während wir beide daher eine(n) Fotostopp/Zigarettenpause einlegen, testet Jupp alleine die Geländegängigkeit seiner R1100 R. Anschließend geht es zurück zum Fischerwirt, wo Klaus um Viertel nach eins mit einer ordentlichen Verspätung auch ankommt.

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Viel können wir mit dem angebrochenen Nachmittag nicht anfangen. Es reicht nur noch für eine kurze Fahrt durch das Zillertal bis nach Gerlos. Weiter trauen wir uns nicht, da in Gerlos die Straße kurz darauf wegen eines Umzuges für eine Stunde gesperrt werden soll. Da uns der Rückweg dadurch versperrt und entweder eine lange Wartezeit oder einen großen Umweg zurück nach Achenkirch abverlangen würde, fahren wir zurück ins Zillertal. Beim Bier am Abend vorher hatte uns der Achenkirchener Dorfschullehrer die Strecke ab Bruck schmackhaft gemacht. In der Tat erweist sich diese Strecke als kleines Gegenstück zur Zillertaler Höhenstraße auf der anderen Seite des Tales. Nur nicht so überlaufen. Irgendwie verpassen wir aber den Abzweig, der über den Berg führen soll und landen wir wieder unten im Tal. Entlang der Ziller geht es zurück nach Bruck und von da aus auf direktem Weg nach Achenkirch, wo wir uns nach den 32° Celsius im Zillertal und den knappen 180 km das kühle Wieselburger bei Franz zum Tourabschluss schmecken lassen.

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Abends ist beim Fischerwirt noch ein Grillfest mit Livemusik. Während die anderen Hausgäste mit ihren Tellern zum Grill müssen und sich ihre Grillspezialitäten abholen, genießen wir den Vorteil des Stammgastes: Der Koch bringt uns ein mehr als großzügig beladenes Tablett mit einem Potpourri von feinstem, frisch zubereitetem Grillfleisch, gegrilltem Gemüse und Folienkartoffeln. Wenn´s nicht langt, sollen wir uns melden. Wir haben aber bereits bei dem einen Riesentablett Probleme mit der Füllkapazität unserer Mägen.

Sonntag, 23.06.: Am nächsten Morgen verspätet sich unsere Abfahrt. Jupp hatte für die Mopeds die Garage im See-Stüberl angemietet und die ist noch abgeschlossen. Renate und ihr Mann Joschi sind im Urlaub auf Mallorca und der Sohnemann ist nicht aufzutreiben. Nachdem wir durch eine offene Hintertür die Garage öffnen können, fahren wir gegen 09:30 Uhr endlich los. Über die Karlskirche bei Volders und Ellbögen nach Matrei am Brenner, wo wir die übliche Kaffeepause einlegen.

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In dem letzten Tunnel vor Sterzing ein unangenehmer Zwischenfall. Kurz vor unserer Ankunft hatte ein Autofahrer in dem Tunnel eine ganze Gruppe von Fahrradfahrern umgenietet. Tote oder Verletzte und jede Menge Schrott liegen im Tunnel. Kein schöner Anblick. Zum Glück ist es in dem Tunnel so dunkel, dass keine Einzelheiten zu sehen sind. Einige Helfer kümmern sich bereits um die Opfer und regeln den Verkehr. Bevor die Straße endgültig gesperrt wird, kommen wir daher noch so eben durch und können unsere Fahrt fortsetzen.

Hinter Sterzing zieht der voraus fahrende Jupp durch, obwohl wir doch eigentlich hoch auf das Penser Joch wollen. Erst kurz nach Brixen hält er für die fällige Mittagspause an. Unterwegs ist ihm eingefallen, dass wir doch eigentlich die Tour anders herum fahren und das langweilige Stück durch das Eisacktal nach vorne schieben können. Na gut, warum nicht. Nach den etwas dürftigen Spagetti Bolognese (die mache ich mit Sicherheit viel besser) fahren wir also über Barbian hoch auf den Ritten. Anschließend durch das Sarntal zum Penser Joch, wo wir uns trennen. Michi muss ja abends in München den Flieger erreichen und die Zeit wird etwas knapp. Jupp fährt daher mit seiner Frau über die Brennerautobahn zurück. Klaus und ich schenken uns die Mautgebühren und machen uns über die alte Brennerstraße auf den Rückweg.

Den ganzen Tag über war es brütend heiß und jetzt ziehen schwarze Wolken auf. Kurz vor Brenner bekomme ich einen deftigen Schlag an der rechten Hand ab. Was war das denn, das war doch kein Regentropfen? Nee, Hagel vom Feinsten. Wir können uns gerade noch unter das Dach der alten Grenzstation retten, als es auch schon so richtig losgeht. Dicke, fette Hagelkörner, ein kräftiger Regenguss und das Ganze begleitet von einem heftigen Gewitter. Einige Autofahrer parken in Zweierreihen den kompletten Grenzübergang zu, auch nachdem der Hagel bereits aufgehört hat und es nur noch ordentlich weiter regnet. Bescheuerte Typen gibt es!

Als der Regen nachlässt, fahren auch Klaus und ich weiter. Wie ich bereits vermutet hatte, ist knapp 1 km weiter alles trocken. Wären wir 5 Minuten eher an der Grenze gewesen, hätten wir uns das alles sparen können. In Matrei fahren wir wieder von der alten Brennerstraße Richtung Ellbögen ab. Das schlechte Wetter scheint uns aber zu verfolgen. Es ist zwar weiterhin trocken und warm, aber Richtung Zillertal sieht es übel aus. Die Zillertaler Höhenstraße, die wir zum Abschluss dieses Tages noch fahren wollten, sparen wir uns daher und machen uns auf den Heimweg.

Kurz vor Achenkirch wird mal wieder die Straße geteert und ein 30er Bereich zieht sich über ein paar Kilometer. Kein Mensch hält sich aber daran, und das wird von der örtlichen Rennleitung für eine kräftige Auffrischung der Kasse ausgenutzt. Zu unserem Glück haben sie aber kurzfristig die Radarpistolen weggelegt. Die Herrschaften sind derart mit dem Abkassieren der bereits erwischten Auto- und Motorradfahrer beschäftigt, dass wir unbemerkt durchschlüpfen können.

Um 18:00 Uhr und nach 345 km erreichen wir ungeschröpft Achenkirch. Kurz vor neun trifft auch Jupp wieder ein und dann haben wir es wieder einmal geschafft: Der Wieselburgerbestand beim Fischerwirt ist auf dem Nullpunkt. Einer der Köche muss los und die letzten 10 Flaschen aus dem Scholastika, dem zweiten Hotel von Fischerwirt Klaus, holen. Die halten allerdings nicht lange vor und wir wechseln auf die gegenüberliegende Straßenseite nach Franz. Als wir ihn wieder verlassen und unsere Zimmer aufsuchen, ist auch bei ihm keine Flasche Wieselburger mehr zu finden.

Montag, 24.06.: Gestern ist mir noch aufgefallen, dass das Verbandspackerl immer noch im Topcase auf dem Zimmer liegt. Ich habe keine Lust, deswegen ein Knöllchen zu beziehen und jetzt wandert es in einen Seitenkoffer. Morgens regnet es. Beim Frühstück beschließen wir daher, dass Klaus sich heute erst einmal um einen neuen Vorderreifen kümmern soll. Nach mehreren Telefonaten ist ein Reifen beim BMW-Händler in Bad Tölz organisiert und Klaus macht sich zusammen mit Jupp im Begleit-PKW auf den Weg. Ich bleibe im Hotel und schiebe eine ruhige Kugel (auch nicht schlecht nach der Wieselburgervernichtungsaktion vom Vorabend).

Mittags sind die Reifenbesorger zurück und wir wollen noch eine kleine, ruhige Tour machen. Sylvensteinsee, Mautstraße nach Wallgau, vorbei am Walchensee und dann über die Kesselbergstraße, Kochel und Benediktbeuren nach Bad Tölz. Nach einem verspäteten Mittagsimbiss in Bad Tölz wird der Himmel wieder dunkel und bei der Abfahrt fallen auch schon die ersten Tropfen. Dem Regen können wir vorerst noch einmal weg fahren, doch dann erwischt es uns doch noch voll. Am Tegernsee müssen wir uns sogar kurz unterstellen. Die Straße hat sich in einen Teich verwandelt.

Uns reicht es für heute. Bayrisch Zell und den Tatzelwurm, die eigentlich noch auf dem Tagesprogramm stehen, lassen wir ausfallen und bereits um 16:00 Uhr und 160 km sind wir wieder in Achenkirch. Zum krönenden Abschluss dieses verregneten Tages hat der Fischerwirt noch keine neue Wieselburgerlieferung erhalten (die anderen einheimischen Biersorten schmecken uns einfach nicht!). Ob Franz seine Bestände wieder aufgefrischt hat, können wir nicht überprüfen, da er heute Ruhetag hat. Dass Jupp dann mit dem Auto zwei Kisten in Schwaz besorgt, erzähle ich jetzt lieber nicht :o)!

Dienstag, 25.06.: Spaaagettiiiii-Tag! Einer der Gründe, warum es mich immer wieder in die Alpen zieht, sind die leckeren Knoblauch-Spagetti vom Gasthof Saltnuss im Passeiertal (aber das habe ich ja auch schon oft genug in den anderen Tourberichten gesagt).

Morgens ist es zwar noch bedeckt, aber es regnet nicht mehr. Um 08:30 Uhr fahren wir los. Ein kurzes Stück über die Autobahn bis Innsbruck/Kematen und dann hoch auf den Kühtai Sattel. Die Auffahrt findet im dicksten Nebel statt. Oder sind es tiefhängende Wolken? Ist ja egal, auf jeden Fall ist die Sicht gleich Null. Ich vorne weg, dann Klaus und Jupp macht mit eingeschalteter Warnblinkanlage den Abschluss. Jetzt bin ich noch froher darüber, dass kurz vor meiner Abfahrt nach Tirol noch das neue Pinlock-Visier für meinen Shoei X-Ceed geliefert wurde. Wenigstens beschlägt dadurch das Visier bei diesem Sauwetter nicht. Bei der Abfahrt ins Ötztal wird es langsam besser und bei der Auffahrt zum Timmelsjoch sind zwischen den Wolken immer mehr blaue Lücken zu sehen.

Den Gasthof Saltnuss erreichen wir schon wieder bei strahlendem Sonnenschein. Genauso strahlt auch die Tochter des Hauses, als sie uns (vor allem naTHÜRlich Jupp) wiedererkennt. Die halb ausgesprochene Frage: "Wollen Sie die Speisek..." wird durch den Satz: "Ach, ihr seit´s, dann brauchen wir die Speisekarte ja nicht. Dreimal Spagetti mit Öl und Knoblauch, richtig?". Noch kurz drei kleine Salate dazu bestellt und es passt. Die Portionen, die uns kurze Zeit später serviert werden, lassen Jupp und Klaus den Mund offen stehen. Ich habe ja in weiser Voraussicht nichts zum Frühstück gegessen und schaffe die Riesenportion Spagetti locker. Die beiden Frühstückler schwächeln aber! Ein paar schöne Fotos hat Klaus auch noch gemacht, aber dazu später mehr.

Nach dem leckeren Mittagessen rollen wir runter ins Passeiertal und schon in St. Leonhard legen wir den nächsten Stopp ein. Halbfinale in der WM. Nach dem deutschen Sieg geht es weiter über den Jaufen- und Brennerpass nach Achenkirch, das wir um 18:00 Uhr und nach 350 km erreichen. Bei der Rückkehr muss ich leider feststellen, dass der Vorratsbehälter und der komplette Schlauch für den Scottoiler leer sind. Öl zum Nachfüllen habe ich zwar mit, aber mit dem Entlüften des Schlauches wird es Probleme geben. Ich beschließe, den Vorratsbehälter am nächsten Morgen aufzufüllen und abzuwarten, ob das Zeug von selbst unten ankommt.

Ja, und dann kommt die Geschichte mit der Digitalkamera von Klaus. Beim Tagestourabschlussbier bei Franz stellt er fest, dass die Batterien leer sind. Da er keine Ersatzakkus dabei hat, leihe ich ihm erst einmal meine dicken 1800 mAh Ersatzakkus. Bei der Olympus ist aber leider äußerst dürftig bezeichnet, wie die Akkus in die Kamera eingelegt werden müssen. Wie der Teufel es will, packt er sie verkehrt herum in die Kamera und die wird dadurch anscheinend kurz geschlossen. Die Speicherkarte ist wieder leer und alle bisher gemachten Bilder sind flöten gegangen. Ich hatte mich bisher mit der Knipserei zurück gehalten. Eine Kollegin (hallo Jutta) hatte sich schon beschwert, dass auf meinen Alpentourbildern immer dasselbe drauf ist und wenn Klaus fotografiert, wäre ich ausnahmsweise auch mal selber auf den Fotos. Und dann das! Scheiße!

Mittwoch, 26.06.: Vor der Abfahrt um 08:45 Uhr fülle ich den Vorratsbehälter vom Scottoiler bis zum Stehkragen voll. Dann geht´s los nach Italia. Zuerst wieder über den Jaufenpass bis St. Leonhard. Danach folgt eine ziemlich langweilige Strecke über Meran bis zur Abfahrt in das Trafoier Tal. Genervt durch einen einheimischen Audi A6 Fahrer und einen deutschen Mercedes ML Geländewagenfahrer, die sich auf der Strecke ein Rennen liefern und an den unmöglichsten Stellen zum Überholen ansetzen, machen wir am Bahnhof von Spondigna eine kurze Rast. Ach ja, eine lustige Episode hatten wir auf der Strecke übrigens auch. In Schlanders gab es wegen einer Baustelle mit Überholverbot einen kleinen Stau. Während Jupp schon durch und weg war, weigerte sich Klaus, an der Kolonne vorbei zu fahren. Der Grund stand etwas weiter vorne: ein Jeep der örtlichen Rennleitung steckte mit im Stau. Nach einer Weile wurde es mir zu bunt und ich rollte langsam an Klaus und dem Jeep vorbei. Solange nichts passiert, interessiert so etwas in Italien niemanden.

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Die Pause am Bahnhof nutzen wir noch aus, um ein paar Mails von dem Informationsautomaten der Vinschgauer Touristenzentrale zu verschicken. Ein netter Service von den Vinschgauern. Dann geht es durch das Trafoier Tal hoch auf das Stilfser Joch, wo wir uns aber nicht lange aufhalten und nach kurzem sehen-und-gesehen-werden auf der anderen, besser ausgebauten Seite nach Bormio runter fahren. Da wir in Bormio kein passendes Restaurant finden, machen wir uns gleich auf den Weg zum Pass Gavia. Ein paar Kilometer hinter Bormio finden wir dann doch noch ein Lokal, wo wir unsere Spagetti bekommen und auch ein wenig Fußball sehen können. Die Mittagspause nutze ich für eine Überprüfung des Scotties. Bisher hat sich nichts getan. Im Schlauch ist nichts von dem roten Öl zu sehen. Dabei fällt mir ein, dass die Einstellung immer noch auf Sommerbetrieb steht und der Durchfluss dadurch minimiert ist. Versuchsweise stelle ich daher den Tröpfler auf Maximum.

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Weiter geht es hoch auf den Pass. Die Abfahrt vom Pass Gavia ist miserabel. Die sehr schmale Straße ist in einem erbärmlichen Zustand. Ob hier in den letzten Jahren überhaupt etwas dran gemacht wurde? Es sieht nicht so aus.

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Danach fahren wir über den Passo del Tonale und anschließend über den Mendelpass zum Kalterer See. Inzwischen ist es kurz nach 18:00 Uhr. Wir hatten zwar morgens Klamotten für eine Zwischenübernachtung eingepackt, aber in dem Hotel am Kalterer See, dass Jupp von einer anderen Tour her kannte, sind keine Zimmer frei. Beim Kaffee beratschlagen wir, was wir machen sollen: In anderen Hotels nach Zimmern suchen oder zurück nach Achenkirch fahren? Wir entscheiden uns für die Rückfahrt und fahren deshalb bei Bozen auf die Autobahn und bleiben bis Jenbach darauf. Spät am Abend erreichen wir Achenkirch um 21:15 Uhr und nach knapp 600 km. Im Scottoilerschlauch steht das Öl inzwischen gut 10 cm weit. Den Gedanken an die alternative Dose mit Kettenspray kann ich damit wieder vergessen. Morgen tröpfelt das Ding wieder!

Donnerstag, 27.06.: Um 08:30 Uhr fahren wir ab und es geht über Kitzbühel und den Pass Thurn nach Mittersill. Am Pass Thurn trifft kurz nach uns dieses Vehikel von der Oldtimer Rallye Paris - Wien ein. Baujahr 1902 - also genau 100 Jahre alt. Jupp ist hin- und hergerissen.

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Weiter durch den Felbertauerntunnel bis Lienz, entlang der Drau bis Innichen und bei Toblach biegen wir ab zu den 3 Zinnen. Wer schon einmal da war, weiß jetzt, dass wir heute die Dolomiten und die Sella-Runde auf dem Programm haben. Bei unserer Mittagspause im Restaurant Drei-Zinnenblick ragen die bekannten Felsen beeindruckend in den wolkenverhangenen Himmel. Ein Blick auf den Scotti zeigt: Das Öl ist bereits unten angekommen, der Tröpfler tröpfelt wieder und die Kette ist gut geölt. Eigentlich schon zu nass und ich drehe das Teil erst einmal ganz zu. Weiter geht es über den Passo Tre Croci nach Cortina d´Ampezzo und von da aus hoch auf den Passo di Falzárego.

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Über Livinallongo und den Passo di Campolongo fahren wir bis Corvàra. Von da aus für einen kurzen Abstecher hoch auf das Grödnerjoch. Für die Weiterfahrt müssen wir zwar nach Corvàra zurück, aber das Joch wollen wir dann doch nicht auslassen. Der kleine Abstecher wäre beinahe böse ins Auge gegangen und hätte unsere gesamte Tourplanung über den Haufen geworfen. Als wir wieder vom Grödnerjoch herunter wollen, fährt sich vor uns ein großer Reisebus in einer Haarnadelkurve fest. Dem Mädel hinter dem Steuer steht die Panik in den Augen, der Bus kommt weder vor noch zurück und blockiert die gesamte Fahrbahnbreite. Aber doch nicht ganz. An der Innenkurve ist gerade noch soviel Platz, dass ich mit meinem Dickschiff so gerade noch durchkomme. Es ist zwar Millimeterarbeit, aber es passt. Klaus stößt nach mir durch die Lücke und kurz darauf kommt uns der bergauf fahrende Schwertransporter mit der Seilbahngondel entgegen. Jetzt dürfte da oben für einige Zeit gar nichts mehr laufen.

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Von Corvàra aus fahren wir über den Furkelpass und durch das Antholzer Tal hoch zum Staller Sattel. Dieser Übergang verläuft streckenweise einspurig und wird durch eine Ampel geregelt. Eine halbe Stunde in die eine Richtung, die andere halbe Stunde retour. Bis wir grünes Licht bekommen ist noch etwas Zeit und die nutzen wir für einen Kaffee. Fünf Minuten vor halb rollen wir langsam vor. An der Ampel haben sich bereits eine größere Gruppe Motorradfahrer und einige Autos angesammelt. Während ich mich hinten anstelle (man weiß ja schließlich, was sich gehört) rollt Jupp an der gesamten Bande vorbei zur Pole Position an der Ampel. Diese Aktion wird von den anderen Krattisti freudig begrüßt und führt zu einer netten Diskussion. Egal - kurz vor halb werden die Motoren angelassen. Kurze, bellende Gasstöße lassen die Luft erzittern. Man fühlt sich wie vor einem GP-Rennen. Dann springt die Ampel auf grün und die ganze Meute hetzt los. Bis auf ....! Ja, bis auf Jupp. Der war so angeregt in tiefschürfenden Gesprächen vertieft, dass er den Start verschlafen hat und als ich grinsend an ihm vorbeiziehe, ist er gerade dabei, sich die Handschuhe über zu ziehen!

Nach dem "Rennen" geht es durch das Defereggental wieder herunter vom Staller Sattel und durch den Felbertauerntunnel erreichen wir Mittersill. Beim Tankstopp fängt es an zu regnen und für die Weiterfahrt sieht es ganz übel aus. Als erstes drehe ich den Scotti wieder auf. Das Öl, das jetzt noch auf der Kette ist, wird mit Sicherheit gleich abgewaschen und Nachschub ist dringend erforderlich. Auf dem Weg nach Gerlos begleitet uns ein heftiges Gewitter mit Regenschauern und Sturmböen. Erst im Zillertal hört der Regen auf. Um 20:45 Uhr und nach 590 km erreichen wir Achenkirch klatschnass.

Freitag, 28.06.: Die Regenfront vom Vortag ist immer noch da. Wir können uns nicht entscheiden, ob wir Motorrad fahren sollen oder doch lieber nicht. Schließlich entscheiden wir uns für "doch lieber nicht"! Nach dem Frühstück fahren wir daher mit dem Wagen los. Da das hier ein Motorradreisebericht ist, erspare ich mir die Beschreibung.

Halt! Eine Sache ist passiert, die muss ich doch loswerden. Wir fahren also mit dem Wagen nach Krün zu unserem Stammmetzger (blöde neue deutsche Rechtschreibung). Gerade als wir unser zweites Frühstück mit Leberkäse und Weißwürsten beendet haben, kommt eine Gruppe Fahrradfahrer an. Augenscheinlich Studenten auf Tour. Im gegenüberliegenden Sparmarkt versorgen sie sich mit Billigbier und Klaus meint, dass die uns unsere übrig gebliebenen Brezeln sicher abnehmen werden. Die Brezeln finden dankbare Abnehmer, was den Kommentar von Jupp zur Folge hat: "Das kannst du doch nicht machen. Trockene Brezeln. Du könntest sie ja wenigstens fragen, ob sie noch etwas Leberkäse dazu haben wollen." Sie wollen. Also holt Jupp noch ein großes Stück Leberkäse aus der Metzgerei und da er gerade schon einmal dabei ist, auch eine Flasche Löwenbräu für jeden Radler. So isser halt, unser Juppchen! :o)

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Nachmittags laden wir noch die BMWs von Michi, Jupp und Klaus auf den Anhänger und zum Abschlussabendessen hatten wir Kalbshaxe bestellt. Zum Abendessen taucht zu unserer Überraschung Rainer, Jupps Skilehrer, auf, den wir eigentlich über den Sommer auf der Segelyacht im Mittelmeer vermutet haben. Wegen gesundheitlicher Probleme war er kurzfristig eingeflogen und in ein paar Tagen soll es schon wieder zurück auf das Schiff gehen. Schade, dass er nicht ein paar Tage früher aufgetaucht ist. Als gelernter Sattler hätte er die durchgesessene Sitzbank von der Trophy sicher etwas aufpolstern können. So kann er uns wenigstens bei der Kalbshaxe helfen und auch bei der einen Portion Salzburger Nockerln. Ich frage Jupp auch noch blöde: "Wieso bestellst du denn nur eine Portion?" Als ich die Portion dann sehe, weiß ich Bescheid. Neben Rainer bekommt auch der Nebentisch noch ordentlich etwas davon ab.

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Samstag, 29.06.: Rückfahrt nach Hause. Als ich zum Frühstück unten auftauche, sind Klaus und Jupp schon lange unterwegs. Ich mache mich dann auch gegen 09:30 Uhr auf. Noch einmal mit dem preiswerten österreichischem Sprit vollgetankt und es geht los. Auf der Umgehungsautobahn A99 um München komme ich mal wieder in einen dicken Stau. Ausgerechnet da erwischt mich auch der einzige Regenschauer des heutigen Tages. Solange der Verkehr noch einigermaßen läuft, mogele ich mich durch die Kolonne durch. Aber bald steht alles und ein Ende des Staus ist nicht abzusehen. Also fahre ich an der nächsten Abfahrt von der A99 ab und nach der Umleitung ist auf der A9 wieder freie Fahrt.

Die Alpentouren haben inzwischen ihre festen Abläufe. Tradition bei mir ist auch die Frikadelle auf der Rückfahrt an der Raststelle Greding geworden. Hausgemacht und echt lecker. Beim Tankstopp am Rasthof Rhön sieht es dann so aus, als ob mich der Regen doch noch einmal erwischt. In Fahrtrichtung ist der Himmel pechschwarz. Zum Glück biegt die Autobahn aber rechtzeitig nach links ab und so komme ich um 17:45 Uhr und 710 km trocken an der Garage in Hüsten an.

Schön war es wieder einmal!

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