Wie im letzten Jahr beginnen die 2003er Touren mit einer großen 10-Tage-Tour durch Frankreich. War es im Jahr 2002 die so genannte "Tour-de-France", muss es in diesem Jahr Burgund - Ardèche - und Côte Vermeille sein.

Neue Tour - neues Motorrad - gleiches Gewurschtel vor der Tour mit dem Packen: Die Triumph Trophy 900 musste in diesem Jahr zugunsten einer neuen Honda XL 1000 V Varadero dran glauben. 6 Jahre hatte ich die Trophy und inzwischen standen rund 76.000 km auf dem Tacho. Es war Zeit für etwas Neues und die im März gekaufte 1000er Vara kam da gerade recht. Ausgerüstet mit zwei Koffern, die zwar nominell mit 35 Litern dasselbe Volumen wie die Trophy Koffer haben, gab es aber mit den originalen Honda-Innentaschen Stauprobleme. Die kleinen Taschen waren mit dem Gepäck von 2 Leutchen für 10 Tage einfach überlastet und wurden prompt wieder in den Schrank verbannt. Abhilfe brachten 2 neue Innentaschen aus dem Baumarkt, Farbe blau und mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern. Allgemein auch als Müllsack bekannt.

Man glaubt gar nicht, was so ein 35 Liter Koffer fassen kann, wenn er direkt bepackt wird. Die blauen Müllsäcke waren nur für den Fall der Fälle gedacht. Da die Koffer neu waren und ich noch nicht wusste, ob sie denn auch bei einer längeren Regenfahrt dicht halten, sollten die Müllsäcke das Schlimmste abfangen. Die Vorsichtsmaßnahme erwies sich aber als unnötig. Erstens sollte es während der Fahrt selbst nicht so stark regnen und zweitens hatten die Koffer mit dem wenigen Regen keine Probleme.

23.05.: Frühmorgens sieht es noch so aus, als ob die Koffer heute beweisen müssten, dass sie innen trocken bleiben. War es beim Frühstück selbst noch trocken, fängt es an zu kübeln, als ich die Vara für die Fahrt beladen will. Typisch! Aber nach einer kurzen Wartezeit hört es auch schon wieder auf und ich kann die Vara im Trockenen mit den Seitenkoffern und dem Topcase bestücken. Um 06:30 Uhr geht es dann endgültig los.

Reichlich vor dem vereinbarten Termin um 10:00 Uhr treffen wir in Wasserbillig/Luxemburg ein, wo wir uns mit dem Rest der Gruppe treffen wollen. Die treffen eine geraume Zeit nach uns ein und nachdem wir noch Marc in der Nähe von Metz aufgelesen haben, ist die diesjährige Frankreichgruppe komplett. Wie im letzten Jahr geht es auf den bereits bekannten Wegen mit einem obligatorischen Zwischenstopp in Neufchâteau nach Beaune, wo wir auch dieses Jahr gegen 17:15 Uhr unsere erste Tagesetappe beenden. Insgesamt waren die heutigen 719 km sehr angenehm zu fahren. Nicht zu warm und ohne Regen - was will man mehr.

24.05.: Vor dem Frühstück fahre ich noch schnell zur Tankstelle und um 09:30 Uhr sind alle bereit für die heutige Tagesetappe nach St. Martin d´Ardèche. Bereits bei der Abfahrt ist es sehr warm. Abgesehen von der Stadtautobahn durch Lyon geht die Tour über Land- und Nationalstraßen. Teilweise wird die Fahrt durch starken, böigen Wind gestört. Besonders auf Brücken "hauen" die Böen ziemlich zu.

Obwohl in Lyon heute vergleichsweise wenig los ist, nervt die Stadtautobahn wie immer und die Windböen geben ihren Teil dazu. Zur Entspannung machen wir daher kurz nach Lyon am Ufer der Rhone unsere Mittagspause und eine gegenüber unseres Rastplatzes liegende Bar liefert den Kaffee danach.

Wir erreichen unser Hotel L´Escarbille in St. Martin gegen 17:00 Uhr.

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Nach dem Abendessen im Hotel Bellevue fängt es auf dem Rückweg in unser Hotel an zu tröpfeln.

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25.05.: Nachts hat es geregnet und der Morgen präsentiert sich wesentlich kühler als der Tag zuvor. Bei der Abfahrt um 09:30 Uhr ist es noch bewölkt. In Pont St. Esprit kaufen wir noch ein paar Vorräte für das Mittagessen ein. Schön, dass in Frankreich auch Sonntags einige Supermärkte offen haben.

Kurze Zeit später bin ich froh, dass ich die Varadero kurz nach dem Kauf von den glitschigen Michelin T66X auf die neuen Michelin Anakee umgerüstet habe. Es fängt nämlich an zu regnen und die Michelin können ihren Ruf als beste Regenreifen bestätigen. Was sie auch problemlos machen!

Solange sich der Regen noch in Grenzen hält, fahren wir weiter über kleine Nebenstraßen. Als es aber anfängt zu schütten, verziehen wir uns auf die Autobahn, wo wir auch an einer Raststelle schön regengeschützt unser mitgebrachtes Mittagessen einnehmen können. Bevor wir wieder aufbrechen, verlangt Vera nach ihrer neuen Regenkombi! Wegen der Kälte - sagt sie! Mir soll´s recht sein, denn kaum hat sie das Teil angezogen, hört es auch schon auf zu regnen. Wenn man sich doch nur immer darauf verlassen könnte. Dann müsste sie nämlich immer mit der Kombi fahren!

Gegen 17:00 Uhr und nach 360 km erreichen wir unser Hotel Le Catalan in Banyuls sur Mer. Hoch am Hang gelegen bekommen wir ein sehr schönes Zimmer, von dessen Balkon man einen herrlichen Blick auf das Mittelmeer und den Hafen von Banyuls hat.

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Nach dem Duschen lässt sich auch die Sonne wieder blicken. Mal sehen wie das Wetter morgen wird. Heute geht´s erst einmal runter in die Stadt zum Abendessen. Hier erweist sich die "erhöhte" Lage unseres Hotels als klarer Nachteil. Auf dem Marsch über die vielen Treppen runter in die Stadt denke ich schon mit Schrecken an den Weg bergauf zurück.

26.05.: Das Motorrad können wir heute vergessen. Schon im Bett können wir hören, wie der Sturm den Regen an die Balkontür peitscht. Wir rechnen damit, dass der Sturm die Tür jeden Moment aufdrückt. Als Alternativprogramm besuchen wir die ortsansässige Weinkellerei "Cellier des Templiers", wo wir es uns bei einer ausführlichen Besichtigung mit anschließender Weinprobe gut gehen lassen.

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Leider scheint es im ganzen Ort keinen öffentlichen Nahverkehr (sprich: Bus) zu geben und Taxis sind auch nicht zu sehen. Nach der Weinprobe steht also wieder der qualvolle Weg treppauf gen Hotel an.

27.05.: Der nächste Tag präsentiert sich wieder freundlicher. Es weht zwar immer noch ein teilweise sehr heftiger Wind, aber immerhin hat es aufgeklart und es regnet nicht mehr.

Um 09:30 Uhr machen wir uns daher über die Corniche auf nach Spanien. Bei einem kurzen Stopp auf der Grenzhöhe ist der Wind aber noch so stark, dass ich es nicht wage, das Motorrad alleine stehen zu lassen. Die Gefahr, dass die Kiste von einer Sturmböe umgeworfen wird, ist einfach zu hoch.

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Nachdem wir die Motorräder mit dem billigen Sprit in Spanien voll getankt haben, geht es wieder zurück nach Frankreich. Nach dem Mittagspicknick ist der ursprünglich von Ralf geplante Weg durch irgendeinen Gorges de B... (ich kann mir die Namen einfach nicht alle merken) leider wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Umleitung ist aber auch ganz schön zu fahren.

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Noch ein letzter Stopp am Château de Quéribus und zurück geht´s zum Hotel, wo wir gegen 18:30 Uhr und nach 295 Tageskilometern ankommen.

Abends ist dann wieder Treppensteigen angesagt.

28.05.: Heute ist schon morgens sehr warm. Vor der Abfahrt nach Andorra decken wir uns noch am örtlichen Supermarkt mit Lebensmitteln für das Mittagessen ein. Die Tankstelle des Supermarkts kann aber kein Geschäft mit uns machen. Der bescheuerte Tankwart will alle Maschinen an einer Säule betanken und eine Gesamtabrechnung machen. So viel Zeit haben wir nicht und wo und wie wir tanken, lassen wir uns auch nicht gerne vorschreiben. Wir lassen den "netten" Spritwächter daher auf seinem Stoff sitzen.

Überhaupt scheint das nicht unser Tag zu werden. Am Ortsausgang von Banyuls steht ein Kontrollposten des Zolls und fischt sich Horst zur Kontrolle aus dem Pulk heraus. Die finden natürlich nichts, aber die Kontrolle kostet wieder unnötige Zeit.

Ebenso wie die Bauerndemo hinter Olette. Die Straße ist gesperrt und wir sind zu einem Umweg über eine - zugegebenermaßen sehr schöne - Nebenstraße gezwungen, die wir dann auch für die Mittagsrast nutzen. In der Schlucht ist es zwar brütendheiß, aber der Platz am Bach ist schön schattig und idyllisch gelegen.

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Auf dem Passübergang nach Andorra liegt dann der Schnee noch ziemlich hoch. Gegensätze im Mai! Kaffeepause im ersten Ort nach der Grenze und zurück nach Frankreich und Banyuls.

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Auf dem Rückweg kaufen wir noch für die abendliche Strandparty ein, die wieder einmal toll ist (wenn die Treppen zum Hotel hoch nur nicht wären!).

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29.05.: Rückfahrt nach St. Martin. Schon morgens ist es sonnig und sehr warm. Heute ist Feiertag und alle Lebensmittelgeschäfte haben geschlossen.

Was soll´s? Wir haben unseren rollenden Supermarkt dabei: Marc hatte am Tag vorher für die Strandparty zu reichlich eingekauft und kann uns heute mit seinen üppig vorhandenen Resten versorgen.

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Kurz vor St. Martin zieht sich der Himmel dann schnell zu und wir haben am Hotel kaum unsere Klamotten abgeladen, da fängt es auch schon kräftig an zu regnen. Die Gewitterwolken verziehen sich aber genauso schnell, wie sie gekommen sind. Nach dem Abendessen im Escarbille (geschmacklich sehr gut, aber von der Menge her eher Kinderportionen) können wir noch auf ein Bierchen runter an den Fluss gehen.

30.05.: Vielleicht war es doch nicht so gut, dass sich die Wolken so schnell verzogen haben. Heute ist es bereits frühmorgens affenheiß. Dank des "Bombenlegers", der zu spät mit dem Frühstück fertig wurde, kommen wir erst gegen 09:45 Uhr vom Hotel weg.

Durch die Ardèche-Schlucht geht es vorerst bis Vallon Pont d´Arc, wo wir uns mit Proviant für´s Picknick eindecken. Aber selbst hoch oben auf dem Berg, wo wir dann picknicken, ist es so heiß, dass wir beschließen, die Tagestour abzubrechen und entlang der Ardèche zurück zum Hotel zu fahren. Darum sind wir dann nach knappen 95 km bereits um 13:30 Uhr wieder am Escarbille, wo schon der Swimmingpool auf uns wartet.

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Zum Abendessen gehen wir heute ins Bellevue. Da sind wir noch immer satt geworden und schmecken tut´s da auch gut.

31.05.: Heute geht die Rückfahrt nach Hause weiter bis Beaune. Unterwegs treffen wir erstaunlich viele Flics mit Pumpguns. Das können keine normalen Verkehrskontrollen sein. Später erfahren wir dann, dass die wegen des Weltwirtschaftsgipfels da stehen und vor Anschlägen schützen sollen.

Ansonsten verläuft die Rückfahrt ereignislos. Bereits um 17:00 Uhr und nach 355 km erreichen wir Beaune und werfen uns in den Hotelpool.

01.06.: Genauso heiß und ereignislos geht es heute weiter nach Hause. Kaffeepause in Neufchâteau, letzte Rast und Tankpause in Luxemburg und Ankunft in Höingen um 18:30 Uhr und nach 680 km.

Zeit für eine erste Varadero-Zwischenbilanz: Die Vara hat sich auf der knapp 3.600 km langen Tour gut geschlagen. Den Tausch gegen die Trophy brauche ich nun wirklich nicht zu bereuen. Eher im Gegenteil. Der Verbrauch hält sich trotz (teilweise sehr) zügiger Fahrweise und voller Beladung sehr in Grenzen: lediglich 5,4 Liter/100 km messe ich, nachdem ich alle Tankquittungen summiert habe. Das Profil vom Anakee ist auch noch in Ordnung, wenn auch am Hinterrad leichte Sägezähne zu erkennen sind. Für die Alpentour in ein paar Wochen reicht der Hinterreifen noch allemal.

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