Bei dieser Tour brauche ich die Varadero nicht voll aufgerödelt durch die Alpen quälen. Beim Fischerwirt sind doch noch kurzfristig Zimmer frei geworden und wie ursprünglich auch geplant, können wir von Achenkirch aus unsere Tagestouren fahren. Die Koffer und das Topcase vom Motorrad können im Hotel bleiben. Für den täglich nötigen Krimskrams wie Kamera und das in Österreich vorgeschrieben Erste-Hilfe-Set reicht der gerade neu gekaufte kleine Tankrucksack vollkommen aus.

25.06.: Zusammen mit Sascha will ich heute bis Sommerhausen fahren, wo wir uns abends mit Det verabredet haben. Kurz nach 10:00 Uhr kommt Sascha von Düsseldorf aus kommend bei uns in Höingen an und nach einem schnellen Kaffee geht es dann endlich los.

Von der versprochenen Wetterbesserung ist noch nicht viel zu sehen. Bei der Abfahrt ist es noch bedeckt und es fällt ein leichter Regen. Aber wir fahren ja gen Süden und da wird es bestimmt besser.

Um die verlorene (Kaffee-)Zeit wieder einzuholen, fahren wir die ersten 30 km über die A46 bis Meschede/Enste. Bis nach Achenkirch war es das dann aber auch schon mit Autobahn. Die restliche Strecke heute und morgen wird nur noch über Bundes- und Landstrassen zurückgelegt. Weiter geht es über Winterberg, Battenberg, Kirchhain und Homberg. Irgendwo da in der Ecke legen wir eine kleine Mittagspause mit Mantaplatte ein. Die Portion ist riesig, aber die Majonäse sieht ein bisschen komisch aus. Egal, schlecht scheint sie nicht zu sein, sonst hätten wir auf dem weiteren Weg über Breungeshain, Bad Orb, Lohr und Karlstadt bis Sommerhausen davon etwas gespürt. So kommen wir aber gegen 17:00 Uhr und 340 km gesund bei Det auf´m Hof an. Der ist aber noch nicht da und darum fahren wir erst einmal zu dem gebuchten Hotel "Ritter Jörg" und beziehen unsere Zimmer.

Später am Abend holt Det uns mit dem Wagen ab und zusammen mit seiner Familie machen wir uns einen schönen Abend im Gambero Rosso in Heidingsfeld, wo das Fischmenü wieder allererste Sahne ist. Das Wetter hat sich inzwischen so weit verbessert, dass wir spät abends noch ein paar Flaschen Wein auf Dets Terrasse genießen können.

26.06.: Die versprochene Wetterbesserung ist endlich da. Das wird ein Sonnentag. Die B13 Strecke entfällt heute. Nach dem Frühstück beim "Ritter Jörg" und einen kurzen Abschiedsbesuch bei Det, fahren wir über Fuchsstadt hoch auf die B19 und die dann bis Bad Mergentheim, von wo aus wir der B290 bis nach Immenhofen folgen.

Kurz vor Günzburg wird bei Sascha dann langsam der Sprit knapp. Die B16 umfährt die Orte in weitem Bogen und von Tankstellen ist weit und breit nichts zu sehen. Auf Verdacht einen Umweg fahren, wollen wir auch nicht. Rettung findet sich an der A8 Abfahrt Günzburg in Form eines Autohofes, wo wir dann auch gleich eine Kaffeepause einlegen und uns telefonisch bei Klaus erkundigen, wo er zurzeit mit Jupps Anhänger ist.

Über Pfaffenhausen und Kaufbeuren geht es weiter. In Marktoberdorf wechseln wir auf die B472, die uns direkt bis Bad Tölz führt. Jetzt ist es nicht mehr weit. Am Sylvensteiner Stausee vorbei und nach 430 km erreichen wir gegen 17:00 Uhr Achenkirch, wo uns Christa, die Chefin vom Fischerwirt mit einer Überraschung erwartet: Im Haus selbst sind am Wochenende keine Zimmer frei und so bekommt jeder von uns direkt gegenüber eine komplette Ferienwohnung. Die gefallen uns so gut, dass wir da nicht mehr raus wollen, auch nachdem im Hotel wieder Zimmer frei werden.

Eine Stunde später kommen auch Jupp und Klaus im Wagen und mit den Motorrädern auf dem Anhänger an. Damit ist die Gruppe komplett. Morgen geht es richtig los.

27.06.: Der Sonntag verdient seinen Namen vorerst noch. Bei der Abfahrt um 09:30 Uhr haben wir noch bestes Wetter. Nach einem kurzen Abstecher nach Gnadenwald fahren wir über Rinn, Sistrans und Ellbögen zur ersten Kaffeepause nach Matrei am Brenner. Weiter bis Sterzing und hoch auf das Penser Joch, wo die Knödel im Gasthof Alpenrosenhof wieder einmal sehr lecker sind. Durch das Sarntal und kurz hinter Ponticino über den Ritten bis nach Barbiano.

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

Etwas getrübt wird die gute Stimmung durch Jupps ölende GS, die seinen rechten Fuß ordentlich einsuppt. Umso ärgerlicher, dass die Maschine gerade wegen diesem Fehler kurz vorher noch in der Werkstatt war.

Auf dem Rückweg machen wir eine letzte Kaffeepause am "Bikertreff" am Hotel Sachsenklemme bei Franzensfeste. Der Himmel zieht sich langsam zu.

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

Achenkirch erreichen wir aber trotzdem noch trocken und es fängt erst an zu regnen, als wir unter dem neuen Vordach vom Fischerwirt sitzen, das in dieser Woche zu unserem abendlichen Stammplatz werden soll.

28.06.: Es hat die ganze Nacht geregnet und es sieht auch nicht so aus, als ob es heute noch besser werden würde. Wir beschließen daher, heute nicht so weit zu fahren, damit wir notfalls schnell wieder in Achenkirch sind. Also machen wir einen Abstecher zum Sudelfeld (ist nicht so toll im Regen und Leni hat auch zu)

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

und fahren von dort aus weiter zum Chiemsee, wo wir in Prien triefnass eine Mittagspause machen. Tropfend nasse Motorradfahrer sind im Seehotel Feldhütter ganz offensichtlich nicht erwünscht. Nachdem man uns auf der Terrasse eine geraume Zeit mit Nichtbeachtung gestraft hat, lässt der anschließende Service dann auch noch ziemlich zu wünschen übrig. Mit dem Wetter wird das heute nichts mehr und darum können wir uns auch um die ölende GS kümmern. Bei dem BMW Händler in Stephanskirchen wird das Problem beseitigt. Eine Vorführmaschine verliert ihre Dichtung, die dann Jupps GS zugute kommt. Danach ist das Ding endlich dicht.

Zum vergrößern bitte klicken

Inzwischen hat sich das Wetter auch ein bisschen gebessert, so dass wir nach kurzen 260 km gegen 17:00 Uhr wieder trocken in Achenkirch ankommen.

29.06.: Die Sonne scheint wieder. Wäre auch zu traurig gewesen, die Spaghetti Aglio e Olio vom Gasthof Saltnuss nicht auf der Terrasse genießen zu können. Aber erstmal müssen wir dahin kommen. Los geht es wie üblich um 09:30 Uhr vorerst bis nach Kühtai zur Kaffeepause. Die Abfahrt nach Ötz bringt insbesondere für Sascha, der mit seiner Speed Triple die kürzesten Federwege hat, noch eine üble Überraschung. Kurz vor Mühlau wird die Strasse auf mehreren hundert Meter erneuert und ist über die gesamte Strecke belaglos. Da hat Sascha arg zu kämpfen. Der weitere Weg ins Ötztal ist frei und auch das Timmelsjoch ist geräumt. Pünktlich zu Mittag erreichen wir den Gasthof Saltnuss und obwohl eine neue Bedienung draußen serviert, brauchen wir nicht groß bestellen: Die Chefin hat uns schon von drinnen gesehen und 4 Portionen Spaghetti Aglio e Olio mit reichlich Salat in der Küche geordert.

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

Die Auffahrt zum Jaufenpass wird dann ziemlich nervig. Schon auf dem Timmelsjoch hatten wir die vielen Fahrradfahrer gesehen, die dort irgendeine Rallye veranstalten. Jetzt treffen wir den ganzen Tross aber noch einmal und das bergauf. In Zweier- und Dreierreihen blockieren sie die Strecke und die Autofahrer sind bemüht, mit ihren erfolglosen Überholversuchen auch die linke Spur zu blockieren. Es ist einfach ätzend. Selbst mit den Motorrädern ist (fast) kein Durchkommen. Oben auf Jaufenpass gibt es den obligatorischen Espresso

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

und zurück nach Achenkirch geht es dann über die alte Brennerstrasse.

30.06.: Heute ist eine längere Etappe geplant und um die zeitlich zu schaffen, muss nach der Abfahrt um 09:00 Uhr erst einmal ein kleines Stück Autobahn bis Kufstein zurück gelegt werden. Über St. Johann in Tirol, Fieberbrunn, den Grießenpass und den Filzensattel erreichen wir Hinterthal, wo wir im Urslauerhof eine Kaffeepause machen.

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

Danach geht es über den Dientersattel und Wagrain weiter bis Radstadt, dass wir nach einem Rundkurs über Schladming, die Erzherzog-Johann-Strasse mit dem Sölkpass und einer verspäteten Mittagspause in Tamsweg wieder erreichen. Die Abfahrt vom Radstädter Tauernpass holt dann viel verlorene Zeit wieder rein. Eine FJR "macht uns den Weg frei" und das Angebot lässt Jupp sich nicht entgehen. Ziemlich zügig geht es also bis kurz vor Radstadt, wo der FJR Fahrer sich zurückfallen lässt, um auf seinen weit zurückliegenden Kumpel mit einer BMW LT zu warten. Jupp behauptet zwar später, dass die FJR aufgegeben hätte, aber so richtig kann ich da nicht dran glauben.

Inzwischen ist es später Nachmittag und wir sehen zu, dass wir auf schnellstem Weg zurück nach Achenkirch kommen. Über Zell am See und Mittersill kommen wir zum Gerlospass, wo wir trotz der fortgeschrittenen Zeit noch einen Zwischenstopp beim Kammerlander einlegen. Nach 550 km sind wir schließlich gegen 19:15 Uhr zurück in Achenkirch.

01.07.: Heute ist bedeckt, aber (noch) trocken. Zur Vorsicht wechsele ich heute trotzdem von Leder- auf GoreTex-Hose und das sollte nicht die schlechteste Entscheidung sein. Von Landeck aus nehmen wir die Silvrettastrasse und fahren ins Paznauntal. Vorher machen wir aber noch bei Handl Speck in Pians eine Kaffeepause. Auf dem weiteren Weg durch das Paznauntal kommt mir der Gedanke, dass wir in Zukunft viel Geld sparen können, wenn wir in Zukunft unsere Motorradtouren im Düsseldorfer Rheinufertunnel machen würden. Soviel (leider bitter nötige) Lawinenschutztunnel, wie da gebaut wurden und noch werden, habe ich auf so einem kurzen Stück Wegstrecke noch nicht gesehen. Von der Landschaft ist da nicht mehr viel zu sehen. Kurz vor Galtür setzt eine quer vor den Ort Tschafein gebaute, riesige Lawinenschutzmauer einen weiteren negativen Akzent. Aber auch die ist leider notwendig, wie gerade Galtür schmerzvoll erfahren musste.

Schmerzvoll ist auch der Preis, der kurz darauf für die Befahrung der Silvretta Hochalpenstrasse von uns gefordert wird. Nach einem kurzen Stopp am Silvretta Stausee entschädigt aber die Abfahrt nach Partenen etwas für die deftige Mautgebühr.

Zum vergrößern bitte klicken Zum vergrößern bitte klicken

Weiter geht es durch das große Walsertal und über die Faschinastrasse zum Faschinajoch. Inzwischen hat es angefangen zu regnen und die Sicht ist durch dichten Nebel stark behindert. Klatschnass erreichen wir in Au im Bregenzerwald den Gasthof Ur-Alp, wo wir trotz der Pfützen, die wir hinterlassen, sehr freundlich empfangen werden. Das extreme Gegenteil zu dem Laden am Chiemsee, obwohl wir hier nicht nur die Terrasse, sondern die gesamte Gaststube "bewässern". Das anschließend servierte Mittagessen ist vom feinsten. Während wir essen, wechselt das Wetter von Wolkenbruch bis Landregen. Wir warten eine Landregenphase ab und fahren über die Bregenzerwaldstrasse und den Hochtannbergpass (im Nebel) und das Hahntennjoch (im Nebel) nach Imst, wo wir die nassen und kalten Finger bei McD. mit einem Kaffee aufwärmen.

Uns reicht es für heute: In Imst geht es auf die Autobahn zurück nach Achenkirch, dass wir nach 460 Tages-km gegen 18:15 Uhr erreichen und wo ich mich als allererstes unter die heiße Dusche stelle.

02.07.: Heute ist es wieder weitgehend trocken. Die kleinen Schauer zwischendurch stören nach dem Regen von gestern nicht mehr besonders. Gegen 09:30 Uhr brechen wir zu einer kleinen Tour auf. Als erstes laden wir uns bei Jupps Kumpel Schorsch bei Mittenwald zum zweiten Kaffee ein, danach geht es zu "unserem" Metzger in Krün zur Leberkäsesemmel und anschließend vorbei am Walchensee und über die Kesselbergstrasse weiter nach Bad Tölz. Die für nachmittags angesagten Gewitter treiben uns dann vorzeitig zurück nach Achenkirch, wo die beiden BMWs auf den Anhänger geladen werden. Die angesagten Gewitter bleiben zwar (für heute) aus, aber trocken nach "Hause" zu kommen ist auch nicht schlecht.

03.07.: Die durch das späte Frühstück sowieso schon verspätete Rückfahrt nach Hause verzögert sich nochmals, weil der Spar-Laden die Speckbestellung von Sascha noch nicht vollständig bearbeitet hat und wir darauf warten müssen, dass ein paar Kilo Speck hauchdünn geschnitten werden. Zum Glück ist danach wenigstens die OMV-Tanke frei, wo wir die Motorräder noch einmal mit vergleichsweise preiswertem Sprit voll tanken. Gegen 11:15 Uhr fahr ich dann zusammen mit Sascha endgültig los. Bis Holzkirchen brauchen wir durch den stockenden Touristenverkehr entlang des Tegernsees fast eine Stunde. Abgesehen von einem kleinen Stau am AK München-Nord kommen wir danach aber gut voran, wenn auch die Fahrt ein dauernder Wechsel zwischen Regenguss und Sonnenschein ist. Kurz vor dem AK Biebelried verabschiede ich mich von Sascha, der über die A3 weiter nach Düsseldorf fährt. Ich nehme die A7 und komme gegen 19:00 Uhr und nach 704 km in Höingen an.

Insgesamt gesehen haben wir in dem bisherigen miesen Sommer wohl doch eine relativ schöne Phase erwischt. Die wenigen Regentage waren zwar blöd, können aber durch die restliche schöne Zeit verschmerzt werden. Mal sehen, was die Ritten-Race-Days im August in Trafoi für ein Wetter bringen. Bestellt habe ich auf jeden Fall schon Sonnenschein.

... mehr Bilder in der Bildershow

Nach oben zum Anfang!